Tacacá

Meist wird Tacacá als eine Suppe bezeichnet, manchmal aber auch als Eintopf und wieder andere halten es sogar für ein Getränk. Tatsache ist jedoch, dass Tacacá zur Essgewohnheit der Menschen im Bundesstaat Pará gehört, wie die Tea-Time zu den Engländern. Eine Tacacá beteht im Wesentlichen aus verarbeiteter Bittermaniok-Wurzel, Jambú (siehe zu beide siehe Erklärung weiter unten) sowie getrocknete und in Salz eingelegte Riesengarnelen.

Im Norden Brasiliens wird Tacacá in vielen Straßenküchen angeboten. Oft sind es Frauen, die so genannten Tacacaziera, die mit kleinen Karren oder Schubwagen an den Straßenecken in den Städten der Amazonas-Region ihre selbstgekochte Tacacá verkaufen. Die Tacacazieras und ihre Tacacá gehören zur Kultur und zum Stadtbild in Belem und der umliegenden Region.

Nach getaner Arbeit genießen die Menschen eine Schale Tacacá am frühen Nachmittag, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken. Es mag für Außenstehende merkwürdig erscheinen, da die Region ein sehr warmes Klima mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit aufzuweisen hat, doch Tacacá muss unbedingt brühend heiß getrunken werden.

Historie des Tacacá

Der Bundesstaat Pará mit seiner Hauptstadt Belem liegt mitten im Amazonas Gebiet. Das hat Auswirkung auf die Esskultur der Menschen. Die Zutaten der Tacacá sind typisch für die indigenen Völker der Region. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass das Rezept für Tacacá entweder von einem der Indianer-Stämme im Amazonas stammt, oder zumindest sehr stark daran angelehnt ist. Das meinst auch der Anthropologe Luís da Câmara Cascudo (1898-1986), der sagt, Tacacá stammt von einer indigenen Suppe namens Mani poi ab. Auch schrieben mehrere Chronisten und Ethnologen im 18. und 19. Jahrhundert, dass Tacacá das eine Art Nationalgetränk der Mura Indianer sei.

Auch die Art und Weise, wie Tacacá serviert wird, zeigt den starken indigenen Einfluss. Tacacá wird traditionell in einer künstlerisch bemalten Kürbisflasche bzw. Kürbisschale serviert. Es wird traditionell auch kein Besteck verwendet, sondern die Schale direkt zum Mund geführt und geschlürft. Die Urvölker Brasiliens benutzen ebenfalls solche Kürbisflaschen. Dieses Gefäß wird auch als Kalebasse bezeichnet und ist in der Herstellung sehr aufwendig.

Wissenswertes

Die Jambú Blätter, die in der Tacacá gekocht werden, haben eine besondere Wirkung. Sie enthalten einen Wirkstoff, der wie ein Lokalanästhetikum wirkt. Das hat zur Folge, dass man beim Genuss von Tacacá ein Kribbeln auf der Zunge und ein leichtes Taubheitsgefühl im Mund verspürt. Jambú soll sich jedoch auch positiv auf die Gesundheit auswirken. In der Heilkunde der indigenen Stämme wird es für diverse Krankheiten eingesetzt.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass für die Bevölkerung in Nordbrasilien Tacacá nicht einfach etwas zu Essen ist, sondern als Heilmittel und Muntermacher für Körper und Geist angesehen wird.

Die Zutaten einer Tacacá

Die Hauptzutaten von Tacacá sind Tucupí, getrocknete und in Salz eingelegte Riesengarnelen, Jambú sowie Goma.

Tucupí (gelber Manioksaft) und Goma (Maniokstärke) werden aus dem Bittermaniok gewonnen. Dazu wird die Wurzel fein gerieben und anschließend ausgepresst. Der aufgefangene Saft trennt sich nach einigen Stunden Ruhe in das dickflüssige Goma und den flüssigen Überstand Tucupí. Bevor er weiterverarbeitet werden kann muss Tucupí für mindestens 12 Stunden kochen, damit es nicht mehr giftig ist. Goma ist im Übrigen auch die Basis zur Tapioka-Herstellung.

Jambú wird auch als Pará-Kresse bezeichnet, obwohl sie mit der Kresse an sich gar nichts gemein hat. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Peru, wird in Brasilien jedoch als Kulturpflanze angebaut.

Für die nötige Würze einer Tacacá sorgen die gelben Cheiro Chilischoten. Diese brasilianischen Chilischoten sind dort bekannt als Cheiro do Norte Chili. Sie leuchten gelb und sind trotz ihrer Schärfe sehr fruchtig und aromatisch.

Schale gefüllt mit Tacacá in Körbchen, um die Schalte halten zu können
So sieht Streetfood in Brasilien aus: eine Schalte Tacacá

[recipe name=“Tacacá“ ingredients=“500g gesalzene, getrocknete Garnelen; 4 Chirorée-Blätter; 4 Knoblauchzehen; 3 Chilischoten; 2 Liter Tucupi; 2 Packungen Jambu; 1 TL Salz; 1/2 Tasse Goma; Alfabaca-Blätter; etwas Pfeffer“]Den Tucupi mit dem zerdrückten Knoblauch, die fein gehackten Chilischoten Salz und Pfeffer in eine Pfanne geben, zum Kochen bringen und dann bei niedrigerer Hitze 30 Minuten köcheln lassen (wer will, kann auch noch etwas Koriander und Basilikum dazu geben). Auch ein paar Alfabaca-Blätter können hier hinzugefügt werden.

Die Jambu in heißem Wasser kochen, bis die Stiele weich werden. Dann aus dem Kochwasser nehmen und abtropfen lassen.

Die Garnelen in Wasser einlegen (am besten lange bevor man mit dem Kochen beginnt), damit das Salz vom Einlegen ausgewaschen wird. Schließlich waschen und mit 4 Tassen Wasser ungefähr 5 Minuten simmern lassen. Dann Kopf und Schale entfernen.

Das Garnelenwasser nicht wegschütten, sondern mit der Maniokstärke (dem Goma) unter etwas Hitzezugabe auf dem Herd andicken. Es soll daraus ein gummiartiger Brei entstehen.

Zum Servieren in ein Schälchen zuerst zwei Löffel des Tucupi geben, dazu einen EL des Maniokstärke-Gummis und nochmal eine Kelle des Tucupi darüber giesen. In die Suppe dann gekochten Jambu sowie Garnelen hinzufügen.

Am besten kochendheiß servieren.[/recipe]

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