Brasilianisches Bier

Samba und Karneval lassen es vermuten, dass Bier eine lange Tradition in Brasilien vorweisen kann. Zu Recht darf das Cerveja (brasilianischer Name für Bier) dort als ein Nationalgetränk bezeichnet werden. Unter allen alkoholischen Getränken kommt das Bier in Brasilien auf einen vergleichsweise hohen Marktanteil von 85 Prozent. Jedoch handelt es sich bei über 90 Prozent des getrunkenen Gerstensaftes um mildes Lagerbier. Viele Brasilianer bevorzugen dieses leichte Lagerbier.

Historie des Biers in Brasilien

Das erste Bier Brasiliens wurde wohl in Recife gebraut, nachdem Johann Moritz von Nassau-Siegen dort angekommen und 1640 in der Residenz La Fontaine Brauerei-Gerät eingerichtet hatte. Dies war wohl die ersten Brauerei in Amerika.

Wirklich verbreitet hat sich das Bier allerdings erst einmal nicht im Land. Erst ab 1808 wurde der Bierverkauf durch die portugiesische Königsfamilie (der König liebte Bier) ausgeweitet. Bier bleib aber auch dann noch lange ein Getränk, das typisch für Einwanderer war.

Lange Zeit wurde der Biermarkt auch von England beherrscht, das von der Öffnung der Häfen 1814 profitierte und ein Monopol für die Einfuhr von Bier hatten. So war britisches Bier bis ca. 1870 das, was es in Brasilien zu trinken hab.

Im 19. Jahrhundert kamen schließlich Einwanderer aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz und brachten Ihr Bier sowie die Kunst des Bierbrauens nach Brasilien. Sie waren es auch, die das Bier in Flaschen statt in Fässern transportierten.

Überlieferungen besagen, dass etwa 1853 in Petrópolis das erste echt brasilianische Bier hergestellt worden ist. Die Wahl seines Namens verriet schon Geschmack: „Bohemia“ (Böhmen).

Seit dem 19. Jahrhundert bis heute ist Bier vor allem Süden zu einer festen Tradition geworden. Noch heute steht dieses Bier für den anhaltenden Aufschwung der brasilianischen Bierproduktion. Der Pro-Kopf-Verbrauch in dem südamerikanischen Land liegt bei jährlich rund 71 Litern. Das sind etwa zwei Drittel dieses Wertes in Deutschland.

Wissenswertes

Hopfenstarkes Pilsner wie hierzulande ist in Brasilien beinahe unbekannt. Auch modische Erzeugnisse wie alkoholfreies Bier und Mischgetränke (beispielsweise Radler) kommen bei brasilianischen Konsumenten weniger gut an.

Ihr bevorzugtes leichtes Bier trinken sie am liebsten eiskalt. Temperaturen kurz vor dem Gefrierpunkt sind gerade gut genug. Estupidamente gelado (wahnsinnig kalt) sagen sie dann über ihr Lieblingsgetränk. An einem heißen brasilianischen Abend fließt ein solches Bier am leichtesten durch die Kehle.

Der pro Kopf Verbrauch liegt bei 71 Litern pro Einwohner und Jahr – ein Stück hinter den 106 Litern in Deutschland.

Per Gesetz ist ein Maisanteil von 45 Prozent erlaubt

Die verschiedenen Biersorten im größten südamerikanischen Land mit fast 208 Millionen Einwohnern enthalten sehr oft Mais oder Reis. Was in Deutschland wegen des traditionellen Reinheitsgebotes undenkbar ist, verleiht den Bieren in Brasilien ihre besondere Leichtigkeit. Das spezielle Gesetz erlaubt einen Maisanteil von maximal 45 Prozent.

Jedoch machen die deutschen Vorgaben auch an den brasilianischen Grenzen nicht Halt, denn viele Brauereien dort halten das Reinheitsgebot gern ein, um ihren umworbenen Kunden einen besonderen Biergeschmack zu bieten.

Ursprünge in Brasilien: AB InBev – größte Brauereigruppe der Welt

Übrigens: brasilianische Brauereien sind wichtiger Ursprung der heute größten Brauereigruppe der Welt: der AB InBev. Den Erfolg dieser Gruppe würde es nicht geben ohne das lateinamerikanische Standbein AmBev. Und dieses wiederum ist 1999 aus dem Zusammenschluss zweier alteingessener, brasilianischer Großbrauereien entstanden: der bereits 1885 geründeten Companhia Antarctica Paulista Indústria Brasileira de Bebidas e Conexos (kurz: Antarctica) und der jüngeren namens Companhia Cervejaria Brahma.

Brasilianische Biersorten

Die Vielfalt auf dem brasilianischen Biermarkt ist deshalb zwar nicht unüberschaubar, aber sehr groß.

Bohemia

Die Bohemia Brauerei hat ihren Sitz in der Stadt Petrópolis. Sie geht zurück auf die Gründung einer Bierfabrik im Jahr 1853 durch Henrique Leiden. Umbenannt wurde die Brauerei 1898 in „Cerverjaria Bohemia“ (zu Deutsch: „Brauerei Böhmen“). Um 1922 ist Bohemia die meistkonsumierte Brauereimarke in Brasilien. 2002 stellt Bohemia auch das erste Weizenbier Brasiliens her.

Brahma

Flasche und Verkaufsverpackung des brasilianischen Brahma BiersEin typisch brasilianisches Bier ist das Brahma, aber ein Schweitzer machte es zur begehrten Marke.

Brahma wird nachweislich seit 1888 in der Manufatura de Cerveja Brahma Villiger & Companhia gebraut, die zu dieser Zeit von einem schweizerischen Immigranten gegründet worden ist. Allerdings ist der altehrwürdige Betrieb mittlerweile mit der Firma Antarctica eine Fusion eingegangen und heißt heute AmBev.

Im Biermuseum der Stadt Blumenau wird dazu eine hübsche Geschichte verbreitet. Der Name Brahma soll demnach eine Verkürzung des Namens „Brauhaus Maschke“ sein. Dieser geht wahrscheinlich auf Georg Maschke zurück, der die Brauerei aufgebaut hatte. Ob diese Version stimmt, ist nicht ganz so sicher wie die große Breite der Brahma-Produktpalette. Neben dem klassischen Brahma mit einem Alkoholgehalt von 4,8 Prozent gibt es Chopp (5,0 % Alkohol), Extra, Light, Malz, Ice und Black.

Brahma ist in der Liste der weltweit am meisten verkauften Biere auf Platz 7.

Skol

Dose mit Logo der Biermarke SkolSehr beliebt und überall anzutreffen ist in Brasilien ebenso das Skol. Es ist eine weit verbreitete internationale Marke (Platz 4 der am häufigsten verkauften Marken weltweit), die in Brasilien einen Alkoholgehalt von 4,7 Prozent hat und nach einer Fremdlizenz von AmBev gebraut wird.

Eigentlich wurde Skol in den 50er Jahren in Europa entwickelt. Da es aber das beliebteste Bier in Brasilien ist, wird es allgemein als eine brasilianische Marke anerkannt.

Skol können die Brasileiros seit einigen Jahren auch aus Einliterflaschen trinken. Der passenden Name für die Großpackungen war schnell gefunden: Ultraos.

 

 

 

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